"Was ich gerade lese"

Couscous mit Zimt | Elsa Koester

Wie bin ich auf das Buch gestoßen. Die Wochenzeitung 'Der Freitag' finde ich gut. Über einen Artikel von Frau Koester habe ich länger nachgedacht. Und so gelangte ich zum Roman. 

Nachdem ich das Buch zugeklappt habe, sage ich Euch, ob es mir gefallen hat.

Elsa Koester

Elsa Koester wurde 1984 als Tochter einer französischen Pied-noir mit tunesischer Kolonialgeschichte und eines norddeutschen Friesen mit US-amerikanischer Auswanderungsgeschichte in Berlin geboren, wo sie heute lebt. Sie studierte Literatur- und Politikwissenschaft sowie Soziologie und engagierte sich über 15 Jahre in sozialen Bewegungen. Heute arbeitet sie als politische Redakteurin bei der Wochenzeitung »Der Freitag«. Die neu entflammte Debatte über Identität und Heimat inspirierte sie zu ihrem Romandebüt »Couscous mit Zimt«, in das ihre Erfahrungen aus einer diversen kulturellen Identität, als Journalistin und Aktivistin mit einfließen.

Foto: © Susanne Schleyer/autorenarchiv.de



"Ich habe Gott nie um ein Kind gebeten (S. 10)

Couscous mit Zimt

Elsa Koester porträtiert drei charakterstarke Frauen, deren Schicksale von gesellschaftlichen Umbrüchen und Krisen gezeichnet sind. Die hinreißende Leichtigkeit, mit der sie die Perspektiven von drei Generationen verwebt, die gewinnende Eigenwilligkeit ihrer Figuren und der gesellschaftlich-scharfsichtige Blick der Autorin machen »Couscous mit Zimt« zu einer mitreißenden Lektüre, ein Familienroman voller emotionaler Wärme, Empathie und einer sprühenden Lust am Erzählen.

Zigaretten, Cognac und Bücher – ihre letzten Jahre verbringt die über hundertjährige Lucile am liebsten lesend im Bett ihrer Pariser Wohnung. Als kurz nach Luciles Tod auch ihre Tochter Marie stirbt, erbt Lisa das Appartement in der Avenue de Flandre. Ihr bleiben nur noch die Erinnerungen an die zwei eigenständigen, vom Leben gezeichneten Frauen der Familie. Das Verhältnis von Mutter und Großmutter war explosiv. Die starke, aber auch selbstbezogene Französin Lucile musste nach der Unabhängigkeit Tunesiens mit ihren Töchtern überstürzt nach Frankreich fliehen, ein Heimatverlust, den die in Tunesien geborene, temperamentvolle Marie nie verwunden hat. »Fische haben empfindliche Füße«, pflegte Marie zu sagen, die immer wieder ins Straucheln geriet bei dem Versuch, im neuen Land Fuß zu fassen. Der schmerzhafte Abschied von Tunesien, die erste dramatische Liebe im Pariser Mai 1968, die Flucht vor den Übergriffen Luciles nach Berlin, wo Lisa Jahre später zur Welt kam – von all dem hat Marie ihrer Tochter erzählt. Doch kann Lisa den Erzählungen ihrer Mutter trauen?

„Ich habe Gott nie um Kinder gebeten.“ Ein erster Satz, schallend wie eine Ohrfeige – was für ein Auftakt zu einem Familienroman! Schon dieser erste Satz setzt den Ton, der ganz nah dran ist an den Empfindungen der Figuren: direkt und unverstellt, rau und zärtlich, wütend und versöhnlich. Elsa Koester erzählt die Geschichte einer französischen Pied-Noir-Familie aus Tunesien, abwechselnd aus der Perspektive dreier starker Frauen, deren Leben von politischen Umbrüchen gezeichnet sind. Die Lebendigkeit der Figuren, die einem mit ihrem eigenwilligen Temperament im Gedächtnis bleiben, die Leichtigkeit, mit der die Autorin die Erzählstränge verwebt, die nicht nur durch drei Generationen, sondern auch nach Paris, Berlin und Tunesien führen, haben uns ebenso beeindruckt wie ihre Sprache, die mit einer hinreißenden Selbstverständlichkeit Sinnlichkeit und Emotionalität mit scharfsichtiger gesellschaftlicher Analyse verbindet. Unsere Freude könnte nicht größer sein, diesen außergewöhnlichen Roman mit möglichst vielen Leserinnen und Lesern zu teilen.

Nadya Hartmann, Lektorin Frankfurter Verlagsanstalt