PACHINKO

Es ist vor allem eines: wahnsinnig laut. 

Öffnen sich die elektrischen Glastüren einer der Spielhöllen, taucht der Besucher ein in eine völlig fremde, auf den ersten Blick nicht zu begreifende Welt: Da sitzen Hausfrauen, Angestellte, Studenten und Rentner Rücken an Rücken in langen Reihen und starren auf hochkant aufgestellte Automaten, durch die Tausende kleiner Metallkugeln fallen. Allein das verursacht schon einen ohrenbetäubenden Lärm, hinzu kommen noch japanische Popmusik und Werbedurchsagen. 

Geführt werden die Hallen meist von Koreanern, deren Familien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Japan eingewandert sind. Korea war japanische Kolonie, und viele Koreaner gingen nach Japan, teils auf der Suche nach Bildung und Einkommen, teils verschleppt als Zwangsarbeiter. Gute Jobs bekamen sie selten. Deswegen verlegten sich viele auf den Glücksspielbetrieb.

Pachinko ist ein japanischer Ausdruck. Das Spiel gibt es auch fast ausschließlich in Japan. Jede Straße, jeder Bahnhof hat eine eigene Pachinko-Halle. Vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden durch Pachinko generiert. Das sind gut 200 Milliarden Dollar im Jahr – zweimal so viel, wie die japanische Autoindustrie einfährt. 

Das ist also kein normales Glücksspiel, wie wir das im Westen kennen. Einer von elf Japanern geht einmal pro Woche Pachinko spielen: Hausfrauen, alte Leute, junge Leute – alle! Es ist einer der wenigen Geschäftszweige, in dem über die letzten vier Generationen Koreaner problemlos angestellt wurden. 

EIN EINFACHES LEBEN

(Im engl. Original: Paschinko)

MIN JIN LEE

 Sunja und ihre Söhne leben als koreanische Einwanderer in Japan wie Menschen zweiter Klasse. Während Sunja versucht, sich abzufinden, fordern Noa und Mozasu ihr Schicksal heraus. Der eine schafft es an die besten Universitäten des Landes, den anderen zieht es in die Spielhallen der kriminellen Unterwelt der Yakuza.

 »Eine überwältigende Geschichte über Widerstandsfähigkeit und Mitgefühl.« Barack Obama 

Im Generationenroman "Ein einfaches Leben" erzählt Min Jin Lee von einer koreanischen Familie in Japan und deren Diskriminierung im Alltag.

"Zainichi" - ein Wort, das alle, die es mit sich tragen, in eine Welt voller Diskriminierung wirft. "Ausländer mit Wohnsitz in Japan", bedeutet es. Gemeint sind: Koreaner in Japan, auch in zweiter oder dritter Generation. Sie sind geduldet, mehr nicht. Gezwungen, einen japanisierten Namen anzunehmen. Immer in der Hoffnung, nicht abgeschoben zu werden. 

Min Jin Lee 

Min Jin Lee wurde 1968 in Seoul/Südkorea geboren und immigrierte, als sie acht Jahre alt war, mit ihrer Familie in die USA. Sie hat in Yale studiert und vor der Veröffentlichung ihres ersten Romans als Anwältin gearbeitet. ›Ein einfaches Leben‹ stand auf der Shortlist des National Book Award und auf allen Bestsellerlisten der USA. Min Jin Lee lebt in New York. 

 Am Anfang des 20. Jahrhunderts geriet Korea unter japanische Herrschaft. 1905 wurde Korea japanisches Protektorat und 1910 vollständig als japanische Kolonie mit dem Namen Chōsen in das Japanische Kaiserreich durch Annexion eingegliedert. Die Kolonialherrschaft über die Koreanische Halbinsel endete offiziell mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945, 

Der erste Satz

Die Geschichte hat uns im Stich gelassen. Aber was macht das schon.