das andere liebesBUCH

Liebes Lesepublikum.

Nach der Lektüre osteuropäischer Literatur über Stalinismus, Gulag, Vertreibung im vorletzten Jahr und vorwiegend spanischer Literatur über den Spanischen Bürgerkrieg und die ETA in diesem Jahr glimmt das Herzensbedürfnis auf, den einen oder anderen Liebesroman zu lesen und darüber zu diskutieren.

Ebendarum werde ich mich mit dem Genre 'Liebesbücher' befassen. Und an dieser Stelle finden Sie Vorschläge für einen zusätzlichen Exkurs. Einen Disput über den anderen Liebesroman.

Ihr Horst G. Flämig

Buch Eins | Liebesroman

Ivana Sajko

Nicht der romantischste Liebesroman, aber ein sehr wahrhaftiger.

 Ivana Sajko führt uns in einen Krieg zwischen Küche und Schlafzimmer: Er, ein arbeitsloser Humanist, versucht die Welt zu verändern und einen Liebesroman zu schreiben. Sie, eine passable Schauspielerin, hat den sicheren Job im Theater gekündigt und kümmert sich um das gemeinsame Kind. Er ist berauscht, sie ist besorgt. Beide kreisen sie umeinander und dem Abgrund entgegen. 

Ivana Sajko

Foto: © Hassan Abdelghani

Ivana Sajko, geboren 1975 in Zagreb, ist Autorin, Dramatikerin und Regisseurin. Ihre Theaterstücke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und auf internationalen Bühnen gespielt. Sie wurde bereits mit wichtigen Preisen ausgezeichnet.

Ihr Werk 'Liebesroman' wurde 2018 ausgezeichnet mit dem 10. Internationalen Literaturpreis - Haus der Kulturen der Welt.

Jurykommentar:

Ivana Sajkos Liebesroman spricht über eine Welt in Agonie, darüber, wie das politische System auf das Leben übergreift, es unter Druck setzt und das Private schleichend vergiftet. Hauptdarsteller sind ein junges erfolgloses Künstlerpaar, ein Kind, eine Wohnung, ein Nachbar und ein aus den Fugen geratenes Land. Mit wenigen, gezielten Strichen zeichnet Ivana Sajko ein durch und durch politisches Tableau und holt die Welt in den kammerspielartigen Erzählraum ihres Romans. Was sich in Kroatien abspielt, könnte überall geschehen. Unter der Oberfläche dieses Liebesromans, der auch ein Entliebungsroman ist, geht es um die Macht und Ohnmacht des Individuums in unserer globalisierten Gegenwart. Ivana Sajkos wuchtige Worte erzeugen explosive Helle. Alida Bremer, die wichtige Vermittlerin kroatischer Literatur ins Deutsche, hat für sie eine mitreißende Sprache gefunden. 

Buch Zwei | An Liebe stirbst du nicht

Géraldine Dalban-Moreynas

Wenn Liebe fremdgeht

 SIE ist 30 Jahre alt und engagierte Journalistin.  Soeben ist sie mit ihrem Freund in ein fantastisches Loft in der Nähe des Canal Saint Martin gezogen –  Paris’ trendigem Hipsterviertel. Im Juni werden sie heiraten. Am 26. Juni, um genau zu sein. Freunde und Familie haben sich das Datum im Kalender eingetragen. Die  Trauzeugen sind schon aufgeregt. Da ihr Verlobter beruflich sehr viel auf Reisen ist, kümmert sie sich alleine  um die Einrichtung der neuen Wohnung und versucht,  im neuen Zuhause anzukommen. 

ER ist 30 Jahre alt. Mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter, die noch nicht einmal laufen kann, ist er gerade in eine tolle Etagenwohnung im selben Gebäude gezogen. Als selbstständiger Consultant startet er beruflich gerade voll durch. 

Géraldine Dalban-Moreynas 

Foto: ©  Stéphane de Bourgies | Nagel & Kimche

Géraldine Dalban-Moreynas war Journalistin, bevor sie 2006 die Leitung Kommunikation des französischen Ministeriums für Gesellschatlichen Zusammenhalt und Parität übernahm. 2008 gründete sie ihre eigene Kommunikations- und PR-Agentur, die sie 2018 wieder schloss, um sich in ein neues Abenteuer zu stürzen: die Inneneinrichtung. Sie gründete M.conceptstore und eröffnete eine Boutique in Paris. »An Liebe stirbt man nicht« ist ihr -erster Roman und wurde mit dem Prix du Premier Roman 2019 ausgezeichnet. 

Buch Drei | Aimée & Jaguar. Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943 

Erica Fischer

Laut Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuches genügten bereits „begehrliche Blicke“, um eine Verhaftung und teilweise sogar eine sofortige Deportation zu rechtfertigen.

 Berlin 1942. Lilly Wust, 29, verheiratet, vier Kinder, führt das Leben von Millionen deutscher Frauen. Doch dann lernt sie die 21-jährige Felice Schragenheim kennen. Es ist Liebe fast auf den ersten Blick. Aimée & Jaguar schmieden Zukunftspläne, schreiben einander Gedichte, Liebesbriefe, schließen einen Ehevertrag. Als Jaguar-Felice ihrer Geliebten gesteht, dass sie Jüdin ist, bindet dieses gefährliche Geheimnis die beiden Frauen noch enger aneinander. Doch ihr Glück währt nur kurz. Am 21. August 1944 wird die Jüdin Felice verhaftet und deportiert. Erica Fischer ließ sich von der 80-jährigen Lilly Wust die Geschichte erzählen und verarbeitete sie zu einem eindringlichen Zeugnis. Nach Erscheinen des Buches 1994 meldeten sich weitere Zeitzeuginnen, und so konnte in der vorliegenden Ausgabe neues Material hinzugefügt werden.


In der Verfilmung von Max Färberböck – die auf diesem Buch basiert – mit Juliane Köhler und Maria Schrader in den Hauptrollen wurde die Geschichte von Aimée und Jaguar weltweit bekannt.

Erika Fischer

Erica Fischer, geboren 1943 in der englischen Emigration der Eltern, 1948 Rückkehr nach Österreich, Studium am Dolmetsch-Institut der Universität Wien, Feministin der ersten Stunde in Wien, seit Mitte der 70er Jahre publizistisch tätig, lebt seit 1988 als freie Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin in Deutschland, seit 1994 in Berlin.