Rückspiegel 

Literaturkreis Ottobeuren | 2021 bis 2017

Mein virtuelles Bücherregal

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Bücherfreundinnen, liebe Bücherfreunde, liebe Bücherliebhaber, liebe Bücherliebhaberinnen, liebe Büchernarren, liebe Büchernärrinnen, liebe Vielleser, liebe Vielleserinnen, liebe Leseratten, liebe Bibliophile, liebe Bibliomanen und Bibliomaninnen. Liebe Büchertrinker*innen. Liebe Leserschaft.

Seit 2017 trifft sich einmal im Monat der Ottobeurer Literaturkreis. In einer behaglichen Lesestube im Hirsch, in der St.-Ulrich-Stube. Zwischen fünfzehn und zwanzig Personen an einem Tisch. Das war vor Corona. In der Folge gab es ab März 2020 eine bittere Zäsur. Später waren wir Freileser. Im Sommer haben wir unter freiem Himmel gelesen. Im Würzgarten der Naturheilpraxis am Museum. Und auf Schloss Lautrach, im Schlossgarten. 
Seit September treffen wir uns auf neuem, ungewohntem Terrain - online. Jeder in seinem Lesekämmerlein vor dem PC, Laptop oder Tablet/Smartphone. Auch nicht übel. Aber das kann nur eine Übergangslösung sein. Bis wir wieder in der Lesestube in großer Runde zusammen kommen können.

Hier werden zukünftig alle Werke aufgeführt, über die wir bislang gesprochen haben. Darunter ist Auserlesenes. Manchmal lesen wir auch lausig geschriebene Romane, aber die sind dann sehr gut lausig geschrieben.


Übrigens. Jedes Jahr wird für die Lesereihe ein Leitmotto abgesteckt. Die ausgewählten Bücher folgen diesem nahezu gänzlich. Und die nachstehende Sammel-Lese vermehrt sich peu à peu.

Ihr Horst G. Flämig 

Lesereihe 2021

Online Lese-Community | Corona-bedingt.

Die Ottobeurer Lesereihe 2021 steht unter dem Motto: Cuando superas el pasado algo bueno llega a tu vida.

Wenn du die Vergangenheit hinter dir lässt, tritt etwas Wundervolles in dein Leben.

Jenseits von Unamuno und Ortega y Gasset. Spanische Gegenwartsliteratur entdecken. 


Zusätzlich Literatur Exkurse.


Transit / Anna Seghers

Transit ist eines der wichtigsten Werke der deutschen Exilliteratur.  Ein Appell an Menschlichkeit und Solidarität – ein Mahnruf, der heute so bedeutsam ist wie vor fast 80 Jahren, als Anna Seghers den Roman im mexikanischen Exil schrieb. 

Resümee folgt 

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Der Garten über dem Meer | Mercè Rodoreda

Die Geschichte, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt, erzählt ein namenloser Gärtner, in seine Blumen und seinen Garten vertieft. Er beobachtet die Herrschaften, die jeweils im Sommer auf den Sommerfamiliensitz über dem Meer – in der Nähe von Barcelona – kommen. Und erzählt dabei die Geschichte einer Liebe, die dem Streben nach Reichtum und Status unterliegt. 

Resümee folgt 

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Von dieser Welt | James Baldwin | Ein Exkurs

In seinem Roman erfasst Baldwin die verzweifelte und hoffnungslose die Lage der schwarzen Bevölkerung in den USA zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Der Protagonist, ein vierzehnjähriger Junge namens John Grimes lebt zwar frei im Norden der Staaten. Und doch bleibt er ein Gefangener in einem weißen System, das den sozialen Aufstieg, Wohlstand und ein besseres Leben für Schwarze so gut wie unmöglich macht. Sie arbeiten als Portiers in Hotels, als Putzkräfte in den Häusern von Weißen, waschen deren Wäsche oder fegen ihre Straßen. 

Die Verlierer suchen ihr Seelenheil in der Religion. Und zerfallen in einer anderen Ordnung der Unterdrückung.

Wir besprachen 'Von dieser Welt' vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in den USA im Rahmen eines Exkurses - außerhalb der Lesereihe über spanische Gegenwartsliteratur. 



Resümee folgt 

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Auf der Plaça del Diamant | Mercè Rodoreda 

Die Geschichte einer stillen Emanzipation

Beim Tanz auf der Plaça del Diamant verliebt sich Colometa in Quimet. Sie stürzt sich in eine Ehe, bringt zwei Kinder zur Welt, schlägt sich allein durchs Leben, als Quimet auf der Seite der Volksfront in den Bürgerkrieg zieht und fällt.

Dieser faszinierende Roman machte die katalanische Autorin Mercè Rodoreda weltberühmt. Er wurde in über 20 Sprachen übersetzt und ist heute der Klassiker der katalanischen Literatur.

Resümee folgt 

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Exkurs | Was man sät | Marieke Lucas Rijneveld 

Kurz vor Weihnachten bemerkt die zehnjährige Jas, dass der Vater ihr Kaninchen mästet. Sie ist sich sicher, dass es dem Weihnachtsessen zum Opfer fallen wird. Das darf nicht passieren. Also betet Jas zu Gott, er möge ihren älteren Bruder anstelle des Kaninchens nehmen. Am selben Tag bricht ihr Bruder beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein und ertrinkt. Die Familie weiß: Das war eine Strafe Gottes, und alle Familienmitglieder glauben, selbst schuld an der Tragödie zu sein. Jas flieht mit ihrem Bruder Obbe und ihrer Schwester Hanna in das Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein, in eine Welt voll okkulter Spiele und eigener Gesetze, in der die Geschwister immer mehr den eigenen Sehnsüchten und Vorstellungswelten auf die Spur kommen. 

Resümee folgt 

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Patria | Fernando Aramburu

Eine Saga zweier sich durch den Eta-Terror ineinander verstrickender Familien.  Fernando Aramburu erzählt in „Patria“, wie eine Gesellschaft an Gewalt und an ihrem separatistischen Wahn auseinanderbricht.

"Bittori und Miren. Sie waren Freundinnen. Mehr. Schwestern. Fast wären sie zusammen ins Kloster gegangen. Und jetzt. Feindinnen."

Resümee:

Der Online Kreis testierte, ein hervorragendes Werk gelesen zu haben. Er war begeistert von Fernando Aramburus "Patria". Dass es dem Autor gelingt, in einer spezifischen Erzählweise, bestehend aus Erinnerungsschleifen. Perspektivwechseln und Zeitsprüngen, die komplexe historische Geschichte um die baskische Untergrundorgansisation ETA anhand von zwei Familiengeschichten  auf 750 Seiten darzustellen,  lobte der Kreis. Nach der Lektüre dieses, wie der Kreis fand, emotional mitreißenden Romans über einen Patriotismus, dessen Macht  in die persönlichsten menschlichen Gefühle eindringt, blieb eine gut gestimmte Runde zurück.

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Exkurs | In Zeiten des abnehmenden Lichts | Eugen Ruge

Buch oder Film? Film oder Buch? Was ist besser?

Dreißig Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit. Wir diskutierten über den Roman und die Literaturverfilmung ‚In Zeiten des abnehmenden Lichts‘ von Eugen Ruge. International gefeiert, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis - ein halbes Jahrhundert gelebter Geschichte, ein Familienroman voller überraschender Wendungen: groß durch seine Originalität, seinen Humor, seine Menschlichkeit.

Diese Mal stellen wir dem Roman die Literaturverfilmung gegenüber. Buch oder Film? Film oder Buch? Immer wieder kommt die Frage auf, ob denn nun das Buch besser ist, oder doch dessen Verfilmung. 

Zum Inhalt. Im Frühherbst 1989 feiert die Ostberliner Familie Powileit den 90. Geburtstag des Patriarchen Wilhelm, Ex-Widerstandskämpfer und heimgekehrter Exilant, unverbesserlicher Stalinist.

Zu dem Fest, das seine Frau Charlotte ausrichtet, erscheinen Nachbarn, Bekannte und Honoratioren, bringen Blumen und halten Reden, als wäre die Welt da draußen in Ordnung. Nur einer fehlt: Sascha, ihr Enkel. Was zunächst noch keiner ahnt: Sascha ist wenige Tage zuvor in den Westen abgehauen.

Die Rolle des Wilhelm Powileit spielt der 2019 verstorbene Schweizer Schauspieler Bruno Ganz. Überwältigend und beeindruckend. Wir schauen online den Film und lesen vorab das Buch. "In Zeiten des abnehmenden Lichts" erzählt von der Auflösung einer Familie und der Auflösung des politischen Systems der DDR.


Resümee: folgt


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Lesereihe 2020

Verkürzt - Corona-bedingt

Die Ottobeurer Lesereihe 2020 stand unter dem Motto: ;'Vieles kann der Mensch entbehren, nur den Menschen nicht'. Ein Leitthema, das nach Ausbruch der Cortona-Pandemie eine ganz besondere Bedeutung bekam. 
 

Aristoteles charakterisierte den Menschen als „Zoon politikon." Als ein gemeinschaftssuchendes Wesen. Über 2.300 Jahre später zwang uns die Corona-Pandemie, die erlangte gemeinschaftsbildende Ordnung außer Kraft zu setzen.

Die weitestgehende Einstellung aller sozialen Kontakte setzte die Menschen einer Robinsonade mit ungewissem Ausgang aus. Zugleich eine Chance, unorthodoxe Lehren aus den gemachten Erfahrungen zu ziehen. 


Zusätzlich Literatur Exkurse.


1 Bild | 5 Kurzgeschichten | SZ Magazin

Gestartet wurde  außerhalb der Lesereihe mit einem Exkurs. Ein Foto  des bayerischen Fotografen Karl Kempf wurde von der Redaktion des Süddeutsche Zeitung Magazins an fünf renommierte Autorinnen und Autoren geschickt. Als Anregung für ihre Geschichten. Es entstanden sehr differente Erzählbilder. Spannungsvoll nachgezeichnet. Mit individuellen Sichtweisen auf das Fotoobjekt - ein Haus mit einer Doppelgarage, einem alten Auto und Unkraut. Wir diskutieren über die fünf Kurzgeschichten.

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Die Glasglocke | Silvia Plath


Wir beschäftigten uns mit dem Roman ‚Die Glasglocke‘, einem amerikanischen Klassiker der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts. Ein Roman, dessen Handlung im Jahr 1953 angesiedelt ist. Ein Werk, das wie kein Buch zuvor die Stimmungslage junger Frauen aufzeigt, insbesondere ihre Zerrissenheit angesichts der hohen Anforderungen einer prüden amerikanischen Gesellschaft an Ausbildung, Qualifikation und Beruf.  Die Ich-Erzählerin, die 19-jährige Esther Greenwood geht für einen Monat als Volontärin einer Modezeitschrift nach New York. Das Leben in der Großstadt verunsichert sie und schon bald spürt sie, wie sie in ein Stimmungstief rutscht. Aus diesem findet sie auch nicht nach dem Ende des Volontariats und der Rückkehr in ihr Elternhaus heraus. Sie fühlt sich wie unter einer Glasglocke. Sylvia Plath gibt in ihrem Buch die literarische Darstellung einer Depression eindrucksvoll wieder, den leichten Weg hinein und den harten Weg wieder hinaus. Anders als die Protagonistin Esther Greenwood, schaffte es die Autorin Silvia Plath selbst nicht, diesem Teufelskreis zu entkommen. Kurz nach Erscheinen des Romans verübte sie Selbstmord im Alter von 31 Jahren. Der 1963 erschienen Roman hat nichts an Aktualität verloren. Viele junge Menschen, die diesen Roman gelesen haben, haben sich dort wiedererkannt. Das Buch wurde zu einem der meistgelesenen Romane in den USA. Heute gehören Depressionen zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen weltweit. 

Resümee: folgt

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Die Ehefrau | Meg Wolitzer


Wir diskutierten über den Roman ‘Die Ehefrau‘ der amerikanischen Autorin Meg Wolitzer, der unter dem Titel ›Die Frau des Nobelpreisträgers‹ mit Glenn Close in der Hauptrolle verfilmt wurde. Es geht um die Abrechnung einer Frau mit einem egozentrischen Ehemann. Joan Castleman hat ihrem Mann alles geopfert. Sie führt ein Leben in zweiter Reihe. Sie ist die Frau des berühmten Schriftstellers Joe Castleman. Einst war er ihr Dozent für kreatives Schreiben und sie seine begabteste Studentin. Ihm zuliebe hat sie ihre Karriere aufgegeben. Nun, Jahre später, steht Joe vor der Krönung der seinen. Ihm soll der renommierte Helsinki-Literaturpreis verliehen werden. Für Joan ist das der Anlass, während des langen Fluges zur Preisverleihung ihre Ehe zu rekapitulieren. Sie hinterfragt ihre Rolle als Ehefrau, in der sie Joe hassen gelernt hat – nicht nur seiner zahlreichen Seitensprünge wegen. Die eigentliche Demütigung ist ganz anderer Natur. 

Resümee: folgt

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Der Report der Magd | Margaret Atwood

Margaret Atwoods Bestseller und Kultbuch „Der Report der Magd“ aus dem Jahre 1985 ist längst ein moderner Klassiker geworden. 

Die preisgekrönte Bestsellerautorin erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die in einem misogynen Kommandantenhaushalt aufwächst und nichts kennt als Unterdrückung. 


Resümee: folgt

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Hain | Esther Kinsky

Diskutiert wurde im digitalen Raum über den Roman ‚Hain‘ von Esther Kinsky. Das Werk wurde ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2018 und dem Düsseldorfer Literaturpreis 2018. Drei Reisen unternimmt die Ich-Erzählerin in Esther Kinskys Geländeroman Hain. Die Trauerreisen führen die junge Witwe nach Italien, doch nicht an die bekannten, im Kunstführer verzeichneten Orte, nicht nach Rom, Florenz oder Siena, sondern in abseitige Landstriche und Gegenden – nach Olevano Romano etwa, einer Kleinstadt in den Hügeln nordöstlich der italienischen Hauptstadt gelegen, oder in die Valli di Comacchio, die Lagunenlandschaft im Delta des Po. Die Ich-Erzählerin durchstreift das "Terrain der Trauer" in diesen drei ineinander verwobenen Reisen durch Italiens entlegene Provinzen. Eine eindrucksvolle Ode an das Leben. "Über das Dasein und das Da-Sein". Übrigens. Im Totenmonat November erhält Esther Kinsky den W.-G.-Sebald-Literaturpreis 2020 der  Städte Kempten, Sonthofen und Markt Wertach einen Tag nach der digitalen Romanbesprechung am 20. November für den Text "Kalkstein". 

Sebald, geboren 1944  in Wertach, Allgäu, und gestorben 2001  in Norfolk, England, erlangte mit seinen Romanen insbesondere in den angelsächsischen Ländern Ruhm und Anerkennung für sein Werk.

 

Resümee: folgt

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Lesereihe 2019

Über Menschen, die  das Sterben der Zukunft in ihrer Gegenwart erleben. 

Wir sprachen über Romane aus folgenden Ländern:  Ukraine. Estland. Litauen. Slowakei, Polen. Russland, Tatarstan. Bosnien und Herzegowina, Georgien. 


Zusätzlich Literatur Exkurse.


Wie der Soldat das Grammofon repariert

Historische Ereignisse wie die Kriege in Jugoslawien brauchten Jahre, um zu Literatur werden zu können. Wir beschäftigten uns mit dem Debütroman des 1978 in Bosnien geborenen und 1992 nach Heidelberg geflüchteten Schriftstellers Saša Stanišic. Der Roman »Wie der Soldat das Grammofon repariert« wurde ein großer Erfolg und in 31 Sprachen übersetzt.  Er wurde 2005 mit dem Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Aus der Kinderperspektive erzählt Saša Stanišic vom Bosnienkrieg und wie sich die Menschen dadurch verändert haben. Der Autor reizt die vielfältigen Verknüpfungen von Drama und Komödie, Realismus und Groteske total aus. Das Buch legt gleich zu Beginn ein furioses Tempo vor: Es beginnt mit dem Tod von Opa Slavko 1991 in jenen 9,86 Sekunden, in denen Carl Lewis im Fernsehen seinem Weltrekord über 100 Meter entgegensprintet.

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Fegefeuer | Sofi Oksanen

Der mit dem Nordischen Literaturpreis ausgezeichnete Roman und weltweit gefeierte Nummer-1-Bestseller  ‚Fegefeuer‘ der estnisch-finnischen Schriftstellerin Sofi Oksanen wurde besprochen. Dieses literarische Meisterwerk wurde in 32 Sprachen übersetzt. Damit wird die diesjährige Lesereihe über osteuropäische Literatur fortgesetzt. Eine sprachgewaltige Familientragödie über zwei Frauen, die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte und vergleichbare Erfahrungen verbindet. 

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Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs | Vladimir Sorokin

Wir beschäftigten wir uns mit einem der schärfsten Kritiker der politischen Eliten Russlands, Vladimir Sorokin. Ein Intellektueller, der regelmäßig heftigen Angriffen regimetreuer Gruppen ausgesetzt. Putins Gefolgsleute verbrannten sogar schon Sorokins Bücher. In seinem aktuellen Roman ‚Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs‘ werden Bücher nicht mehr gelesen, geschweige denn neu gedruckt, sie dienen als Brennmaterial für die Zubereitung exklusiver Speisen. Stör-Schaschlik über Dostojewskis "Der Idiot" oder Schnitzel über Arthur Schnitzler, mit diesen und anderen Kreationen begeistert Geza, ein Meisterkoch, seine zahlungskräftige dekadente russische Klientel. Ein geniales Romanfeuerwerk voll absurder Einfälle und beißender Gesellschaftskritik.

Resümee: folgt

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Die Baugrube | Andrej Platonow

Ein russischen Klassiker der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts. Der 1930 verfasste Roman „Die Baugrube“ des Autors Andrej Platonow (1899–1951). Der Roman durfte zu Lebzeiten des Autors nicht veröffentlicht werden. Stalin bezeichnete den Schriftsteller als Dreckskerl. Erst 1989 wurde das Buch in Russland aufgelegt. Das Buch wurde von den Kritikern als einzigartig in der Literaturgeschichte gewürdigt. Worum geht es in dem Werk? Bauarbeiter graben am Stadtrand eine riesige Grube, in der das gemeinproletarische Haus für die Arbeiterklasse errichtet werden soll, „die Muttergrube für das künftige Leben“. Das Werk entstand zur Zeit der von Stalin eingeleiteten forcierten Industrialisierung und Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Es wurde zum radikalsten, überzeugendsten literarischen Sinnbild für das Scheitern der kommunistischen Utopie, die der Autor schonungslos entlarvt. Das  utopische Projekt der Paradiesbauer endet in Hunger, Chaos und Massensterben.

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Aber der Himmel - grandios | Dalia Grinkeviciute

Dieses Mal führte die literarische Reise nach Litauen. Besprochen wurde das Buch ‚Aber der Himmel – grandios. Nach der Annexion Litauens 1941 durch die Sowjets wird die Autorin Dalia Grinkeviciute zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Sibirien deportiert. Ihre Jugendjahre verbringt sie in der Verbannung im Altai Gebiet und in der Arktis. 21-jährig gelingt Grinkeviciute die Flucht. Zurück in Litauen schreibt sie ihre Erinnerungen an die Verbannung in großer Eile auf 229 lose Blätter und vergräbt sie aus Angst vor der Entdeckung durch den KGB in einem Einweckglas im Garten. Kurz darauf wird sie vom KGB verhaftet und erneut deportiert. Nach ihrer Entlassung bleiben die Erinnerungen verschollen. Erst nach Dalia Grinkeviciutes Tod werden die Aufzeichnungen wie durch ein Wunder 1991 bei Gartenarbeiten gefunden. Die lose Blattsammlung ist zu einem der wichtigsten Dokumente der litauischen Geschichte geworden und zeigt mit ungeheurer Sprachgewalt das Schicksal eines 14-jährigen Mädchens in der Verbannung auf.

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Suleika öffnet die Augen | Gusel Jachina

Es wurde der Debütroman ‚Suleika öffnet die Augen‘ der tatarischen Autorin Gusel Jachina besprochen. Über eine rechtlose tatarische Bäuerin und ihren Weg zu sich selbst.

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Der Boxer | Szczepan Twardoch

Wir setzten uns auseinander mit dem Roman „Der Boxer“ des in Polen meistgelesenen Autors Szczepan Twardoch, der zum Teil auf historischen Begebenheiten basiert. Wir begeben uns in Warschaus Unterwelt der dreißiger Jahre kurz vor dem zweiten Weltkrieg. In die Welt der Schutzgeldeintreiber, Bordelle, Drogen und Straßenkämpfe der polnischen Juden gegen die Faschisten, deren wachsender Einfluss die Herrschaft  Kaplicas, dem selbsternannten Paten der Stadt, bedroht. Der Schatten des Holocausts liegt bereits über den Straßen von Warschau. Wir erhalten Einblicke in eine diffizile Geschichte der polnischen Juden vor dem Einmarsch der Nazis im September 1939.

Resümee folgt

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Das Birnenfeld | Nana Ekvtimishvili

Wir beschäftigten uns mit dem Debütroman ‚Das Birnenfeld‘ der georgischen Schriftstellerin und Filmregisseurin Nana Ekvtimishvili. Nach Erscheinen wurde das Buch gleich mit drei Literaturpreisen ausgezeichnet. Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 war Georgien Gastland. 160 georgische Bücher wurden zu diesem Anlass ins Deutsche übersetzt. Das Birnenfeld  stach ganz besonders  heraus und war das große Gesprächsthema der Messe. Es ist eine unerbittliche, existenziell ergreifende Geschichte aus den 1990er-Jahren, in denen alles zusammenbrach, erst die Sowjetunion, dann die Stromversorgung, die Heizung, die Wirtschaft, am Schluss die Familien. Sie spielt in einem Außenbezirk der Stadt Tbilissi, in dem es neben der Plattenbauwüste städtebauliche Höhepunkte wie das Institut für Leichtindustrie gibt, außerdem eine ehemalige Telefonzentrale und ein Internat für geistig beeinträchtigte Kinder, eine Schule der Dummen, von den Bewohnern Debilenschule genannt. Der Roman erzählt über das Leben der Kinder in diesem Heim. Das Heim gibt es heute noch. Ekvtimishvili, 1978 geboren, hat diese Zeit als Heranwachsende miterlebt. Sie ist neben diesem Heim aufgewachsen. Als sie als junge erfolgreiche Frau an diesen Platz zurückgekommen war, hat sie diese Kinder gesehen auf der Straße. Das waren natürlich keine Kinder mehr. Das waren erwachsene Frauen wie sie. Sie haben gebettelt.


Resümee: folgt

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Qualityland | Uwe Kling | Ein Exkurs

Wir beschäftigten wir uns mit einem lustigen dystopischen Roman. Besprochen wurde das Buch „QualityLand“ des durch die Känguru-Trilogie bekannt gewordenen Schriftstellers Marc-Uwe Kling. Mit seiner Känguru-Satire wurde Kling zum Bestsellerautor. Seine Känguru-Hörbücher sind gefragtes Medium für Eltern, die mit ihren Kindern eine 7-Stunden-Autofahrt ohne Bibi und Tina in Dauerschleife überstehen wollen. 

"Qualityland“ ist ein satirischer Roman - angesiedelt in der nahen Zukunft - in dem Kling den Überwachungsstaat entwirft, vor dem uns das Känguru immer gewarnt hat. Einen Staat, in dem rassistische Parteien auf dem Vormarsch sind und das Einkommen darüber bestimmt, welche ärztliche Versorgung einem zusteht. Eine durchdigitalisierte und -ökonomisierte Welt, in der Androiden den Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen und Algorithmen bestimmen, welche Menschen zueinander passen. 


Resümee: folgt

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Troll | Michal Hvorecky

Besprochen wurde das Buch ‚Troll‘ des slowakischen Autors Michal Hvorecky, der zur Zeit der meistgelesene Schriftsteller seines Landes ist. Hvorecky beschreibt die düstere Zukunft in einem abgeschotteten osteuropäischen Land. Von korrupten Autokraten finanziert steuern Internet-Trolle und Internet-Bots präzise die öffentliche Meinung. Die Trolle und Bots verbreiten wüste Lügen und Verleumdungen. Sie bestimmen so über die Biografien der Landsleute. Hvorecky selbst war vielmals Opfer von Trolling. Von ihm wurden falsche Bilder und Videos mit erfundenen Zitaten, mit erlogenen Sätzen, mit manipulierten Inhalten ins Netz gesetzt. Hasskampagnen gegen ihn wurden verbreitet. Im Roman versuchen die Protagonisten das staatliche System der Fehlinformationen von innen heraus zu stören – und werden dabei selbst Opfer eines Shitstorms.  Das Buch, als dystopisches Werk konzipiert, beschreibt derweil eine gefährliche Komponente unserer aktuellen Netzkultur. 


Resümee: folgt

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Recherche | Nora Gomringer

Ein Exkurs

In einem Mehrfamilienhaus hat sich ein dreizehn Jahre alter Junge in den Tod gestürzt. Wer trägt die Schuld? Am Ende gar der Leser? Eine Verschwörungskomödie mit vielen offenen Fragen.

Nora Gomringer gewann den Ingeborg-Bachmann-Preis 2015. Wir diskutierten über den Text.


Resümee: Eine atemberaubend konstruierte Collage aus Dialogen, Geräuschen und Gedanken, beinahe mehr Hörspiel als Prosatext.

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Lesereihe 2018

Über Menschen, die vor Gewalt und Krieg fliehen, in einem fremden Land ankommen, voller Hoffnung. Und nicht gewollt werden.

Zusätzlich Literatur Exkurse.


Der Fluss dazwischen | Ngugi wa Thiong'o

Waiyaki wächst in der traditionellen Dorfgemeinschaft des Gikuyu-Stammes auf und wird von seinem Vater als spiritueller Führer und Erneuerer seines Volkes eingeweiht. Er besucht eine christliche Missionsschule, aber als er sich in ein Mädchen aus dem christianisierten Nachbardorf verliebt, kommt es zum tragischen, ausweglosen Konflikt mit dem Stamm. Waiyaki, der sich nicht bekehren lässt, andererseits das Wissen der Weißen in einer unabhängigen Gikuyu-Schule vermittelt, steht dazwischen: ein Opfer der Zerrissenheit, die bis heute das moderne Afrika zeichnet.
Ngugi wa Thiong o erzählt poetisch und einfühlsam vom Leben im kenianischen Hochland zu jener Zeit, als die weiße Eroberung erst ein bedrohlicher Schatten war.

Resümee folgt


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Lost City Radio | Daniel Alarcon

‚Lost City Radio‘ des peruanischen Schriftstellers Daniel Alarcón besprochen. ‚Lost City Radio‘ ist das Porträt eines fiktiven verwüsteten Landes. Jahre nach dem Ende eines blutigen Bürgerkriegs herrscht das Vergessen vor. Die alten Sprachen sind verboten, die Ortsnamen durch Zahlen ersetzt und die Erinnerungen an die Besiegten ausradiert. Eine Frau jedoch, Norma, leistet mit ihrer unverwechselbaren Stimme subtilen Widerstand: Sie moderiert die Radiosendung ‚Lost City Radio‘, in der die Zuhörer nach ihren Vermissten suchen können. Ihre Stimme gibt dem zerstörten Land die Hoffnung zurück. Ein aufwühlender Roman und zugleich eine ergreifende Parabel.

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Nirgendwo im Haus meines Vaters | Assia Djebar

Fatima liebt ihren Vater abgöttisch. Aber er befolgt streng die arabischen Bräuche. Ihre Mutter ist eine selbstbewusste Frau von europäischer Eleganz. Zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Dazwischen bahnt sich das Mädchen ihren eigenen Weg zur jungen Frau. Manchmal schmerzhaft und dann wieder voller Glück. Klarsichtig, poetisch und sehr emotional erzählt Assia Djebar ihre eigene Geschichte, die zugleich die Algeriens ist.

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Wir brauchen neue Namen | NoViolet Bulawayo

Die zehnjährige Darling lebt im Chaos einer Blechhüttensiedlung. Paradise heißt ihr Zuhause, und fast alles fehlt: der Vater, die Schule, der Fernseher oder auch nur genug zu essen. Doch hier lassen einen die Erwachsenen in Ruhe, die Entwicklungshelfer verschenken Spielzeug, und in ganz Afrika kann man nirgendwo besser Guaven klauen. Für alle anderen ist Paradise ein Scherbenhaufen aus zerbrochenen Träumen, für Darling der einzige Ort, der ihr ans Herz gewachsen ist. Gerade als Darling anfängt zu verstehen, wird sie von ihrer Tante in den USA fortgerissen. Üppiges Essen, der Fernseher, die Schule - das alles ist bald selbstverständlich, nur steht sie im neuen Paradies bald vor ihrer größten Aufgabe ...
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Der Fundamentalist, der keiner sein wollte | Mohsin Hamid

 Ein intelligenter junger Mann aus der islamischen Welt schildert in enthüllender Offenheit sein Leben, seine Gedanken, seine Meinung zu Amerika und verhehlt nicht einmal, was er am 11. September 2001 empfunden hat. Changez heißt er, und er erzählt, wie er als junger, ehrgeiziger Gaststudent nach Princeton kommt und als Vorzeigestudent nach seinem Abschluss sofort von einer Elite-Firma engagiert wird. Dem aber dann die Bindung zu seinem Land Pakistan wichtiger ist als Geld und Macht.

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Die Strasse zum 10. Juli | Nona Fernández 

 Es wurde der Roman ‚Die Strasse zum 10. Juli‘ der chilenischen Schriftstellerin Nona Fernández besprochen. Die siebenunddreißigjährige Autorin zählt zu den beeindruckendsten Stimmen Chiles sowie gesamt Südamerikas. Sie erhielt bislang mehrere Literaturpreise. Für ihren aktuellen Roman wurde sie für den LiBeraturpreis 2018 nominiert. Im Buch geht es um viel: Die chilenische Geschichte, die Verbrechen der Vergangenheit und wirtschaftliche Korruptheit. Das Buch mahnt gegen das kollektive Vergessen und zeigt besonders seine Stärke in der Nachzeichnung des Verschwindens von tausenden ''detenidos desaparecidos'' - den Verhafteten, die bis heute nicht wieder aufgetaucht sind.

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Träumer. Als die Dichter die Macht übernehmen | Volker Weidermann | Ein Exkurs

Ein Exkurs


‚Träumer. Als die Dichter die Macht übernahmen‘ des SPIEGEL Literaturkritikers und ehemaligen Moderators des Literarischen Quartetts im ZDF Volker Weidermann.

Er erzählt von jener kurzen Zeit der Anarchie, als nach dem Ersten Weltkrieg 1918 in München Dichter, Spiritisten und Rebellen die Bayerische Räterepublik errichteten. Diese sechs chaotischen, hoffnungsvollen Monate sind ziemlich vergessen, jedenfalls sind sie von den nachfolgenden Jahren der Weimarer Republik und der NS-Zeit derart überblendet, dass es eine hervorragende Idee des Autors ist, sie noch einmal  aufleben zu lassen.

1918/19, Revolution in München, Räterepublik. Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Oskar Maria Graf - alle sind vor Ort. Die Träume vieler Dichter von direkter Demokratie und sozialer Gerechtigkeit scheinen urplötzlich paradiesische Wirklichkeit. Wie in seinem gefeierten internationalen Bestseller "Ostende" verwandelt Volker Weidermann einen geschichtlichen Moment in eine mitreißende Erzählung aus der Perspektive der historischen Protagonisten: spannend wie ein Thriller - und doch ist nichts erfunden.

Resümee folgt

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Frühstück mit der Drohne | Atef Abu Saif

Es wurde der Roman ‚Frühstück mit der Drohne‘ des palästinensischen Schriftstellers Atef Abu Saif besprochen. Der promovierte Politik- und Sozialwissenschaftler lebt mit seiner Frau und seinen fünf Kindern im Gazastreifen. Seine Tagebuchaufzeichnungen zum 51 Tage dauernden Krieg im Gazastreifen im Juli 2014 wurden weltweit veröffentlicht. Ein mitreißendes, literarisches Zeugnis eines unerbittlichen Konfliktes zwischen Palästina und Israel. Eine Einlassung über den allgegenwärtigen Tod durch israelische Kampfdrohnen. Ein Beispiel über die Bemühungen um Normalität im Angesicht menschlicher Tragödien. Ein Beweis für die unausrottbare Zuversicht der Menschen im Gazastreifen. Ohne Polemik und ohne Schuldzuweisungen wird über Unvorstellbares berichtet. 


Resümee: folgt

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Der Klang der Fremde | Kim Thúy

‚Der Klang der Fremde‘ der vietnamesischen Schriftstellerin Kim Thúy besprochen. der ein literarisches Kleinod ist. Saigon 1978. Kim ist zehn Jahre alt, als ihre Familie vor den Vietcong Kämpfern fliehen muss. Die Odyssee führt sie übers Meer im lichtlosen Unterdeck eines maroden Schiffes in überfüllte Flüchtlingslager nach Malaysia und schließlich nach Canada. Als der Vietnam Krieg beendet war, begann für Kim der Krieg. Vierzig Jahre später erleben Millionen Menschen erneut Vertreibung und Neubeginn. 

Das Exil als Chance und Glück
Saigon, 1978: Als Zehnjährige muss Kim Thúy mit ihren Eltern aus Vietnam fliehen, Kanada wird ihre neue Heimat. Die Fremdheit der neuen Welt überwältigt das Mädchen - sie erschließt sich ihre Umgebung über Klänge, Farben und Gerüche. In unvergesslichen Bildern geht Kim Thúy dreißig Jahre später dieser sinnlichen Spur ihres Lebens nach, erzählt von Vertreibung und Neubeginn, von Schmerz und Lust der Erinnerung und dem täglichen Glück, sein Leben zu wagen.


Resümee: folgt

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Tarlan | Fariba Vafi

Es wurde der mit dem LiBeraturpreis 2017 ausgezeichneten Roman ‚Tarlan‘ der iranischen Schriftstellerin Fariba Vafi besprochen. Sie erzählt aus dem Leben einer jungen Iranerin nach der Revolution von 1979. Millionen Menschen protestierten gegen die repressive Herrschaft von Mohammed Reza Pahlawi. Es kam zu Demonstrationen, die niedergeschlagen wurden und zahlreiche Tote forderten. Als jedoch die USA und andere westliche Staaten dem Schah die Unterstützung entzogen, verließ der krebskranke Herrscher das Land. Wenige Wochen später flog eine Air-France-Maschine den greisen Ajatollah Chomeini von Paris nach Teheran. Aus einem anfänglich linken Aufstand wurde eine islamische Revolution. In diesem Setting ist der Roman angesiedelt. 


Resümee: folgt

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Der letzte Granatapfel | Bachtyar Ali 

Es wurde der Roman ‚Der letzte Granatapfel‘ des irakischen Autors Bachtyar Ali besprochen. An Bord eines Bootes, das Muzafari Subhdam zusammen mit anderen Flüchtlingen in den Westen bringen soll, erzählt er seine Geschichte. Er war einst hochrangiger Peschmerga und rettete einem legendären kurdischen Revolutionsführer das Leben, als sie von Truppen des irakischen Regimes umstellt waren. Er geriet in 21-jährige Gefangenschaft. Wieder in Freiheit begibt er sich auf die Suche nach seinem verschollenen Sohn. Eine Odyssee, die ihn schließlich auf den Weg führt, den Tausende schon vor ihm genommen haben. 


Resümee: folgt

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Im Grenzland | Sherko Fatah 

Der mit dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnete Roman ‚Im Grenzland‘ des deutsch-kurdischen Autors Sherko Fatah wurde besprochen. Damit endet die diesjährige Lesereihe über Vertreibung, Fremdenhass, Exil und Neuanfang. In dem Roman wird das Leben eines Schmugglers beschrieben, der sich durch vermintes Gebiet zwischen Irak, Iran und der Türkei bewegt. Er versorgt die Bewohner seines Städtchens mit Zigaretten, Alkohol und Computern. Kaltblütig und bedacht, um nicht von den Minen zerrissen zu werden. Nicht nur das Niemandsland ist mit Sprengkörpern versehen. Ebenso erschüttern die Wortminen den Leser.  Im kommenden Jahr bewegt sich der Literaturkreis entlang den bislang wenig bekannten literarischen Rändern Osteuropas. 


Resümee: folgt

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Lesereihe 2017

Über Menschen und ihre Machtlosigkeit, ohnmächtig der psychischen und physischen Gewalt ausgeliefert zu sein.

Zusätzlich Literatur Exkurse.

Die Vegetarierin | Han Kang

Mein persönlicher Vermerk: Der Roman zählt zu den sieben wuchtigsten und eindringlichsten Projekten, mit denen wir uns auseinandergesetzt haben.


Han Kang. Winner of the Man Booker International Prize 2016

Ein kolossales, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.

»Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.«

Yong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

Resümee: Ein surrealer und wundersamer Weckruf, den Konformismus zu überdenken. Eine Mahnung zu prüfen, stet sagen zu wollen, etwas sein zu müssen. Ein Memento, über ein deprimierendes gesellschaftliches Phänomen zu reflektieren, warum die Notrufe der Hilfesuchenden nicht wahrgenommen werden und die eigenen Angelegenheiten, seien sie auch noch so lapidar, in den Vordergrund rücken und eine höhere Wichtigkeit besitzen.

Der Roman entstand in einem Staat mit einem vermeintlich erstklassigen Schulsystem, einer exzellenten Infrastruktur, einem Mobilfunknetz der fünften Generation, während in Deutschland die Netzbetreiber die dritte Generation anbieten, und erfolgreichen Weltkonzernen, wie Samsung oder Hyundai. In einem Staat, in dem Kinder bis in die Nacht auswendig lernen, in