Unser 2. literarischer Abstecher, den wir 2021 planen. Jenseits der spanischen Lesereihe.

Schwarze Leben zählen

1953 wurde James Baldwins „Von dieser Welt“ erstmalig veröffentlicht. Wer ihn heute liest, gewinnt unvermittelt den Eindruck, ein zeitgenössischer Autor habe ihn geschrieben, vor dem Hintergrund der Black Lives Matter Bewegung.

Der Roman brachte Baldwin den internationalen Durchbruch. Kaum einer hat den tiefverwurzelten Rassismus in den USA schonungsloser beschrieben.

"Ich lebe eine Hoffnung wider besseres Wissen."


James Baldwin (* 2. August 1924 in Harlem, New York, † 1. Dezember 1987 in Saint-Paul-de-Vence, Frankreich). Einer der bedeutendsten US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. 

Viele seiner Arbeiten behandeln Themen wie Rassismus und Sexualität. In seinen Erzählungen erörtert er Fragen der Identität von Schwarzen und Homosexuellen.

Fast siebzig Jahre nach Erscheinen  'Von dieser Welt' sind Baldwins Texte, der damals als einer der einflussreichsten Bürgerrechtler in den USA galt, immer noch und immer wieder aktuell.

An den US-Schaltstellen der politischen Institutionen und der Sicherheitsbehörden walten nach wie vor Verfechter und Nachläufer rassistischer Ideologien. Sie haben sich ebenfalls in der amerikanischen Medienwelt, wie Newsmax und One America News Network (OAN) eingenistet.

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd   am 25. Mai 2020 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, geht es nicht nur um Polizeigewalt, sondern generell um den weit verbreiteten Rassismus in den USA und soziale Unrechtmäßigkeiten gegenüber schwarzen Menschen.

In seinem Roman erfasst Baldwin die verzweifelte und hoffnungslose die Lage der schwarzen Bevölkerung in den USA zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Der Protagonist, ein vierzehnjähriger Junge namens John Grimes lebt zwar frei im Norden der Staaten. Und doch bleibt er ein Gefangener in einem weißen System, das den sozialen Aufstieg, Wohlstand und ein besseres Leben für Schwarze so gut wie unmöglich macht. Sie arbeiten als Portiers in Hotels, als Putzkräfte in den Häusern von Weißen, waschen deren Wäsche oder fegen ihre Straßen. 

Die Verlierer suchen ihr Seelenheil in der Religion. Und zerfallen in einer anderen Ordnung der Unterdrückung.

Wir werden 'Von dieser Welt' vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in den USA im Rahmen eines Exkurses - außerhalb der Lesereihe über spanische Gegenwartsliteratur - besprechen.

Im Mittelpunkt des Romans steht der Vater-Sohn Konflikt zwischen Gabriel und John. Ein literarisches Grundthema, das sich seit der Antike durch das Schrifttum zieht. Im Fokus der Erzählung steht außerdem das Thema 'Religion',  Der Glaube bietet die einzige Zuflucht in der Hilflosigkeit, mit der die schwarzen Menschen der Unterdrückung durch die Weißen gegenüber stehen.

James Baldwin


James Baldwin (1924-1987), in New York geboren, war und ist vieles: Ein verehrter, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und eine Ikone der Gleichberechtigung aller Menschen, ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Herkunftsmilieus. 

Er war der erste schwarze Künstler auf einem Cover des ›Time Magazine‹. Baldwin starb 1987 in Südfrankreich.

Foto: © ullstein bild - Roger Viollet/Jean-Pierre Couderc


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Pin Drop Speech | Cambridge University, 1965

Im Rahmen einer Debatte mit William F. Buckley, Autor und Journalist.

James Baldwin erzählt von den Diskriminierungen durch Polizisten, Taxifahrer, Vermieter. Er klagt an: dass seine Landsleute ihm die Rechte als Amerikaner nicht geben wollen. Und stellt klar: „Ich bin einer der Leute, die dieses Land aufgebaut haben. Ich habe die Baumwolle gepflückt. Ich habe die Eisenbahngleise gelegt.“


Am Ende stehen die Studenten auf, klatschen und klatschen.