Nachlese

Unser Juli Projekt: Buch oder Film? Film oder Buch? Inbegriff antifaschistischer Literatur? Großes Kino? 

DO 29. Juli 2021 | 19:00 bis 20:00 Uhr | Online

Unser 3. literarischer Abstecher, den wir in 2021 machen. Jenseits der spanischen Lesereihe. Und unsere 10. Online Buchbesprechung.

Literaturklassiker | Aktueller denn je

Transit ist eines der wichtigsten Werke der deutschen Exilliteratur.  Ein Appell an Menschlichkeit und Solidarität – ein Mahnruf, der heute so bedeutsam ist wie vor fast 80 Jahren, als Anna Seghers den Roman im mexikanischen Exil schrieb.

Transit | Anna Seghers

Ein junger Mann entkommt zuerst aus einem deutschen KZ, dann aus einem französischen Gefangenenlager. Er flieht aus Paris und gelangt im Herbst 1940 nach Marseille. Er nimmt eine fremde Identität an und bemüht sich um Papiere für eine Ausreise nach Mexiko.

Anna Seghers schrieb den Roman, der autobiographische Elemente enthält, in den Jahren 1941 und 1942 im Exil in Mexiko. Mit dem Schreiben begonnen hatte sie bereits in Marseille. Er erschien 1944 in englischer und spanischer Sprache. Die deutsche Originalfassung erschien erstmals 1947 in der Berliner Zeitung  und die erste deutsche Buchausgabe 1948. 

1940 flohen Menschen vor Hitler nach Marseille, um Europa zu verlassen. Heute leben andere Flüchtlinge in Marseille. 

Das Buch

Tausende Menschen warten in Marseille auf ihre Papiere, um endlich ausreisen zu können. Sie sind vor den Schrecken des Zweiten Weltkriegs geflüchtet, vor den Verbrechen der Nazis, doch ihre Flucht hat in Marseille vorerst ein Ende gefunden. Sie hetzen nach Visa, Bescheinigungen und Stempeln, um nach Übersee ins rettende Exil zu entkommen. Im Chaos der Stadt, in den Cafés, auf dem Gang von Behörde zu Behörde kreuzen sich ihre Wege - und für kurze Zeit sind fremde Leben durch Hoffnungen, Träume und Leidenschaften miteinander verbunden.

Zusammenfassung | Rezension

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Der Film

Schauspieler:

Franz Rogowski
Godehard Giese
Paula Beer
Lilien Batman


Regisseur:
Christian Petzhold


Produzent:
Florian Koerner von Gustorf

Anna Seghers

Über Anna Seghers


Foto: © Aufbau Verlag

Anna Seghers floh 1933 vor den Nazis nach Paris. Als die Wehrmacht Frankreich besetzte, emigrierte sie mit ihrer Familie nach Mexiko. Die Familie musste sich lange um Papiere für die Überfahrt nach Mexiko bemühen. Wie der Protagonist in Transit musste auch die Familie auf verschiedenen Konsulaten ihre Identität nachweisen, da viele ihrer Papiere auf ihren Künstlernamen ausgestellt waren. Über den Winter 1940/41 schrieb sie später: „Ich hab das Gefühl, ich wäre ein Jahr lang tot gewesen.“

Anna Seghers (* 19. November 1990 in Mainz; † 1. Juni 1983 in Ost-Berlin. Netty Reiling wurde 1900 in Mainz geboren. (Den Namen Anna Seghers führte sie als Schriftstellerin ab 1928.) 1920-1924 Studium in Heidelberg und Köln: Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und Sinologie. Erste Veröffentlichung 1924: „Die Toten auf der Insel Djal“. 1925 Heirat mit dem Ungarn Laszlo Radvanyi. Umzug nach Berlin. Kleist-Preis. Eintritt in die KPD. 1929 Beitritt zum Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller. 1933 Flucht über die Schweiz nach Paris, 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs. 1941 Flucht der Familie auf einem Dampfer von Marseille nach Mexiko. Dort Präsidentin des Heinrich-Heine-Klubs. Mitarbeit an der Zeitschrift „Freies Deutschland“. 1943 schwerer Verkehrsunfall. 1947 Rückkehr nach Berlin. Georg-Büchner-Preis. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Von 1952 bis 1978 Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Ehrenbürgerin von Berlin und Mainz. 1978 Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. 

 Im Sommer des Jahres 1940 war Südfrankreich zum Fluchtpunkt tausender europäischer Flüchtlinge und Exilanten geworden. In diesem von den deutschen Truppen noch nicht besetzten Teil Frankreichs glaubten sie Zuflucht und Sicherheit zu finden. In Toulouse, Montpellier, vor allem jedoch in Marseille warteten sie auf Visa und Schiffe, die sie nach Übersee bringen sollten.

Unter diesen Geflüchteten befand sich auch eine große Anzahl deutschsprachiger Schriftsteller: Walter Benjamin (1892–1940), Lion Feuchtwanger (1884–1958), Heinrich Mann (1871–1950), Hans Sahl (1902–1993), Walter Mehring (1896–1981), Franz Werfel (1890–1945) und Anna Seghers (1900–1983)

Interniert von den französischen Behörden in den Lagern Le Vernet und Les Milles oder illegal sich in Marseille und Umgebung aufhaltend, versuchten sie mit Unterstützung von Hilfsorganisationen, vor allem des amerikanischen Emergency Rescue Committee unter der Leitung von Varian Fry (1907–1967), der HICEM1 sowie von Vertretern der amerikanischen Quäker, die erforderlichen Papiere, Schiffspassagen, Transit- und Ausreiseerlaubnisse für die Weiterflucht ins überseeische Exil zusammenzutragen, ein in den meisten Fällen schwieriges und gefährliches Unterfangen. 

Zeitgeschichtlicher Hintergrund | Der Berliner Regisseur Christian Petzold über seinen Film „Transit“ und warum er keine klassische Literaturverfilmung drehen wollte | Reich-Ranicki über Anna Seghers

Zeitgeschichtlicher Hintergrund


Christian Petzold über sein Fluchtdrama "Transit"


Reich-Ranicki über Anna Seghers


Ende des Jahres 2019 waren über 79,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. 26 Millionen dieser Menschen sind Flüchtlinge, die vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat flohen. 40% der Vertriebenen weltweit sind Kinder unter 18 Jahren. 45,7 Millionen Menschen sind Binnenvertriebene, Menschen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. 4,2 Millionen Menschen unter den 79,5 Millionen sind Asylsuchende.