Wir alle sind Malle

Pfingsten wird bestimmt kein normales Urlaubswochenende. Die Engländer buchen uns Mallorca weg. Neid. Ostern saßen 40.000 deutsche Sonnenhungrige im Flieger. Ich nehme noch Wetten an, wie viele es  zum Fest der Aussendung des heiligen Geistes sein werden. Über einhundert Flieger werden ausgesendet. Sie bilden gleichsam eine despektierliche Metapher.

Warum immer wieder Mallorca? Jeder kennt die Insel. Die meisten waren schon einmal da. Auf der "Putzfraueninsel", im Ballermann-Sangria-Taumel-Paradies. Einige auf dem 'Hamburger Hügel', Cas Concos, wo Mallorca am deutschesten ist. Auch viele Düsseldorfer*innen haben auf der Insel ihre zweite Heimat gefunden bzw. zwischenzeitlich wieder verloren. Modedesigner, Immobilienmakler und Nagelstudiobesitzerinnen, grätig auf die Corona-Bestimmungen. Sie treffen sich allesamt im 'Düsseldorfer Loch', an der Strandpromenade in Port Andratx. 

Saufparty-Fans, die Ballermann-Star Mickie Krause lieben und feiern. Und die superreichen und weniger superreichen Finca-Besitzer, die von den Mußestunden an ihrem Sehnsuchtsort schwärmen. Dolcefarniente, Stille. Otium für die sich Schindenden und Plagenden.
Mallorca hat sie alle eingeladen. Und kann sie nicht mehr ausladen. Vielleicht zieht die Karawane irgendwann einmal weiter. Nach Kroatien.
Auch ich war auf der Insel.  Cala Santanyi. 1968. Vor über fünfzig Jahren. Es war traumhaft schön. Mit Roy Orbisons Tournee-Schlagzeuger Paul Garrison Nächte an der Hotelbar verbracht. 'Pretty Woman' ertönte bereits seit vier Jahren aus den Jukeboxen von Wurlitzer.

Ihr Horst G. Flämig


Für alle Daheimgebliebenen, die aber dennoch Mallorca nicht missen wollen. Der  Roman ist  nur noch im Antiquariat erhältlich.

Das Puppenkabinett des Senyor Bearn | Llorenc Villalonga 

KLAPPENTEXT

Aus dem Katalanischen übersetzt. Mallorca, 1890. Zwischen Olivenbäumen und Orangenhainen, umgeben von Windmühlen, liegt im Schatten uralter Pinien das Landgut der Bearns. Ein Ort der Ruhe und der Schönheit einer der nobelsten Familien der Insel, der seit hundert Jahren schon ein obskures Geheimnis birgt: einen verschlossenen Raum, in dem ein zwielichtiger Vorfahr einer äußerst fragwürdigen Neigung gefrönt haben soll. Nur ist dies nicht das Einzige, was Don Juan, den Hauskaplan, um das Seelenheil seiner Herrschaften fürchten lässt. Ist Don Toni, sein geliebter Senyor, doch nicht nur den körperlichen Reizen der jungen Dona Xima erlegen, sondern auch dem sündigen Gedankengut der französischen Aufklärer. Dabei ist es gerade Letzteres, was ihn selbst und das edle Geschlecht der Bearns einem gespenstischen Schicksal entgegentreibt.