Eine bitterernste Satire auf die japanische Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen.

Die Ladenhüterin | Sayaka Murata

Nachlese Projekt Februar 2022

Motto der Lesereihe 22
"An den Außenseitern ist das Interessanteste die Innenseite." 

Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.

Ich möchte an der digitalen Besprechung des Romans 'Die Ladenhüterin' teilnehmen. Und den Roman 'Requiem für einen spanischen Landmann' gewinnen. Termin DO 24. Februar 2022, 19:00 bis 20:00 Uhr

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Ein glückliches, zufriedenes Nichts

Ein Ladenhüter war „Die Ladenhüterin“ wahrlich nicht. 650.000 mal hat sich der Roman der knapp 40jährigen Sayaka Murata in Japan verkauft. Das ist sicher kein Zufall, gibt das Buch doch Einblick in die japanische Psyche und in eine Gesellschaft, in der das Funktionieren am Arbeitsplatz und die Konventionen gesellschaftlichen Zusammenlebens alles andere dominieren. Sayaka Murata zeichnet das Bild einer modernen, kapitalistischen, gefühlskalten Welt, in der jeder Mensch seine definierte Rolle zu spielen und seinen Platz einzunehmen hat.

Keiko Furukura geht ganz und gar in dieser Tätigkeit auf, hat keine anderen Ziele und Wünsche, als die Regale sorgfältig aufzufüllen und die Kunden mit dem richtigen Gesichtsausdruck und einem freundlichen Lächeln zu bedienen. Der Feierabend und der Nachtschlaf dienen ausschließlich dazu, sich zu kräftigen und als vorbildliche Arbeitskraft zu erhalten. Jenseits des Konbini ist Keiko nichts. Und das Erstaunlichste daran: Genau das macht sie glücklich und zufrieden. 

Sayaka Murata

Foto: ©  Takuya Sugiyama 

Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen. Ihr Roman »Die Ladenhüterin« gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans und war in mehr als einem Dutzend Ländern ein großer Erfolg.